Gesamtbericht des Hilfskrankenschwesternprojekts in Lancetillo, Guatemala

Verwendete Abkürzungen :
HK = Hilfskrankenschwester
ST = Stipendiatin/nen
Wie schon zwei Jahre zuvor haben wir, Irmingard Weise und Schwester Teresa, den Besuch von Teresa bei ihrer Familie in Katalonien zum Anlass genommen, uns persönlich  zu treffen und zu besprechen. Unser ST-Programm läuft jetzt seit fünf Jahren.
1.   Anzahl der ST
Bisher haben 16 junge Maya-Frauen die Ausbildung zur HK begonnen; davon werden die letzten vier im nächsten Monat ihre Abschlussprüfungen ablegen, zwei insgesamt sind komplett ausgefallen, d.h. sie haben die Ausbildung abgebrochen und sich statt dessen verheiratet. Von den übrigen zehn ST waren zwei jeweils die Jahrgangsbesten (Lukrezia und Apolinaria), eine arbeitet in einer Apotheke (Vilma), eine macht Abitur, weil sie graduierte Vollkrankenschwester werden will (Manuela), eine sucht noch Arbeit, sieben arbeiten in Gesundheitszentren: sie führen Impfkampagnen durch, überwachen Geburten, nähen Wunden, pflegen Patienten etc.
Bei der bilingualen Kindergärtnerinnenausbildung  haben wir zwei ST im 1. und zwei ST im 2. Ausbildungsjahr. Bei den Abiturgängen haben wir zwei ST im 1. Jahr.
2.   Wohnen
Die ST für HK bewohnen eine kleine 3-Zimmer-Wohnung als Wohngemeinschaft, dort können sie auch kochen und lernen. Die anderen ST leben im Internat der Schwestern de la Anunciata.
3.   Gebühren
Die bisher veranschlagten  und von Teresa verwalteten Gebühren haben sich als ausreichend erwiesen. Sie belaufen sich auf 2.400.- USD für HK, auf 1.257.- USD für die dreijährige Ausbildung zur Kindergärtnerin und  916.- USD für die zweijährige Abiturausbildung. Aus dem Restgeld der zweiAbbrecherinnen haben wireinen Notfalltopf gemacht, aus dem Teresa z.B. Fahrgeld an besonders Bedürftige auszahlen kann.
Yessica Albina Hernandez, Kindergärtnerin

Yessica Albina Hernandez, Kindergärtnerin

 

4.   Evaluation
Sieben der bereits graduierten HK haben einen von uns entwickelten Fragebogen beantwortet; die Auswertung ergibt Folgendes:
– die Frauen haben im Durchschnitt 6 Geschwister, d.h. sie kommen aus großen Familien; die Eltern sind Landarbeiter
– die Ausbildung weckt in ihnen z.T. Wissensdurst (Santa Pastor), sie fühlen sich in ihren Familien auch stärker geachtet, weil sie über Medikamente Bescheid wissen (Francisca Choc), sie können andere jetzt finanziell unterstützen, sogar den eigenen Ehemann (Alicia), sie schätzen die Arbeit mit Patienten und deren Vertrauen in sie (alle), das monatliche Gehalt von ca. 300.- Euro macht sie stolz und unabhängig (alle).

5.   Ausblick
Die Tatsache, daß immer mehr junge Maya-Frauen in einem qualifizierten, gesellschaftlich hoch angesehenen Beruf arbeiten, ruft in der örtlichen Bevölkerung Staunen hervor, erzählt Teresa. Alle steigen sozial auf, Santos z.B. hat einen Lehrer geheiratet, beide arbeiten in ihren Berufen, führen also eine moderne Ehe. Dem Wunsch nach Weiterbildung zur graduierten Krankenschwester stehen wir wohlwollend gegenüber. Hier fehlt noch ein Kostenvoranschlag. Die Förderungen können in dergleichen Größenordnung weiterlaufen und sich sogar noch etwas ausweiten, sie scheinen effektiv und effizient zu sein und haben offensichtlich eine gesellschaftliche Wirkung. Die geförderten Frauen zeigen bisher keine Neigung, die Gegend zu verlassen um auszuwandern.

Die Hilfskrankenschwesterschülerinnen Paulina, Juana, Carmelina, Floridalma in der Uniform der Schule, v.l.n.r.

Die Hilfskrankenschwester – Schülerinnen Paulina, Juana, Carmelina, Floridalma in der Uniform der Schule, v.l.n.r.

Francisca, Bertilia, Teresa, Santa mit den Zertifikaten 2013, v.l.n.r.

Francisca, Bertilia, Teresa, Santa mit den Zertifikaten 2013, v.l.n.r.